Wut

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Es war eine rasende Wut, die in mir tobte, als hätte jemand die Tür zu einem Geisterschloss geöffnet und hundert Geister aufgeschreckt. Es gelang mir nicht, mich zu beruhigen, ich lief auf und ab, raufte mir die Haare, klagte und weinte. Ich wollte laut schreien, aber die Nachbarn hätten mich gehört. Ich hatte das Bedürfnis zu rennen – wollte einfach nur weit weg. Ich wusste nicht wohin mit mir und wie ich mit dieser Wut, die sich – losgelöst von meinem Willen – aufbäumte, umgehen sollte. Am liebsten wäre ich mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen. Ich wollte fast lieber körperlichen Schmerz spüren als diese unbeschreibliche Wut. Ich weiß nicht, wie lange dieser Zustand andauerte. Irgendwann ließ meine Kraft nach und ich weinte mich in den Schlaf. Als ich erwachte, fühlte ich mich leer und ausgebrannt, aber irgendwie auch in der Lage, den Weg weiterzugehen.

Wut – drei Buchstaben nur und dennoch eine unendlich starke Emotion. Sie kann treibende Kraft sein, aber auch zerstören. Starke Wut sucht ein Ventil und entlädt sich mitunter situationsunangemessen. Wut ist schwer aus- und unter Kontrolle zu halten. Aufgestaute Wut kann in geballter Form ausbrechen oder schleichend im Innern nagen. Wenn brennende Wut ignoriert wird, kann sie sich in schwelenden Hass verwandeln. Wut ist eine Energie, die sich nicht immer zeigt, aber unbewusst wirkt, wenn sie unterdrückt wird, und deshalb ist es wichtig, die Energie der Wut freizusetzen. Wenn dies geschieht, bevor die Wut zu groß wird und sich unbewusst auf andere richtet, kann die Anspannung freigegeben werden, ohne zu zerstören oder zu verletzen. So wirkt Wut entlastend und befreiend und kann zum Vorschein bringen, was hinter der Wut steht. Die Energie der Wut kann auch als Impuls für eine Veränderung genutzt werden, weil sie in bestimmten Situationen hilft loszulassen.

Wut in der Trauer

Oft zeigt sich auch in der Trauer eine sehr starke Wut, weil das Schicksal so unabänderlich hingenommen werden muss. Dann können schon geringe Ereignisse eine unbeschreibliche Wut auslösen, denn der Trauernde ist besonders sensibel und verletzlich, weil er tiefen Schmerz in sich trägt. Sieht der Trauernde sich mit seiner Wut konfrontiert, steht er jedoch meist vor dem Problem, dass er sich diese nicht erlaubt. Wut zu zeigen, scheint wenig gesellschaftsfähig. Schon ein Kind erfährt, dass Wut mitunter heftige Reaktionen hervorruft. Einem Erwachsenen, der wütend ist, wird dies nicht selten als Schwäche ausgelegt. Und ein besonderes Tabu ist es, Wut auf einen Verstorbenen zu empfinden. So kommt es gerade in der Trauer häufig zu unterdrückter Wut. Es ist jedoch verständlich, wenn der Trauernde wütend ist auf das Schicksal, das Leben, auf Ärzte, andere Menschen, auf Gott oder auf den Verstorbenen, weil dieser ihn verlassen hat.

• Es macht wütend, wenn ein Mensch zu früh geht.
• Es macht wütend zu sehen, was nun nicht mehr möglich ist.
• Es macht wütend zu begreifen, dass nun alles allein bewältigt werden muss.
• Es macht wütend, wenn ein Mensch unerledigte Dinge zurücklässt.
• Es macht wütend, der Unabänderlichkeit ausgesetzt zu sein.
• Es macht wütend, machtlos zu sein.

Hinter all dieser Wut stecken eine tiefe Verletzung, Schmerz und Ohnmacht. Deshalb macht Wut hilflos! Um die Verletzung heilen zu können, ist es wichtig, sich auch mit der Wut auseinanderzusetzen, sonst kehrt sie immer wieder zurück. So kann sie vielleicht eines Tages unkontrolliert ausbrechen, getarnt hinter anderen Auslösern und anderen Ereignissen.

Umgang mit Wut

Wut erlauben und nach außen bringen:
Wenn Sie Wut spüren, nehmen Sie als Erstes Ihre Wut wahr und gestatten Sie sich diese! Halten Sie Ihre Wut aus, bis sie sich ausgetobt hat! Bringen Sie Ihre Aggressionen nach außen, bevor diese zerstörerische Ausmaße annehmen, und leiten Sie Ihre Wut ab!

So können Sie die Anspannung lösen und die Wut verringern…