Rituale und Übungen

Ritual „Sorgenschatulle“

Suchen Sie sich eine kleine Schachtel oder Kiste, die Sie zu Ihrer „Sorgenschatulle“ ernennen. Wann immer eine Sorge oder eine schmerzliche Emotion Sie überkommt, schreiben Sie diese auf einen kleinen Zettel und stecken diesen in Ihre Sorgenschatulle. Sie können ihr alles anvertrauen.
Legen Sie für sich fest, wie viele Zettel Sie darin ertragen. Wenn diese Zahl erreicht ist, gehen Sie mit Ihrer Sorgenschatulle zu einem Fluss. Nun können Sie Zettel für Zettel herausnehmen, zerreißen und ins Wasser werfen. So wie der Fluss die Zettel fortträgt, werden auch Ihre Sorgen, Ängste und Nöte weichen, wenn Sie diese freigeben.
Eine andere Möglichkeit wäre auch, die Zettel zu verbrennen.

Affirmation: Ich gebe alle meine Ängste, Sorgen und Nöte frei.

 

Ritual: „Den Kreis schließen“

Die Trauer ist wie eine offene Wunde in Ihrer Seele, die viel Zuwendung und Zeit braucht, um zu heilen. Immer wenn Worte nicht mehr ausgesprochen, Zärtlichkeiten nicht mehr ausgetauscht und Träume nicht mehr gelebt werden können, spüren Sie diese Wunde besonders. Nehmen Sie bei jedem liebevollen Gedanken an Ihren Verstorbenen, für jede Zärtlichkeit, die Sie ihm noch schenken möchten, für jeden Traum, den Sie mit ihm noch gern gelebt hätten, aber auch für jeden Moment, in denen Sie sich des Abschiedes bewusst sind, einen Stein und setzen Sie daraus einen Kreis zusammen. Sie können sich dafür einen Platz in der Natur suchen oder einen Platz zu Hause schaffen.
Der Steinkreis kann innen ausgefüllt werden oder mit weiteren Steinen umrahmt werden. Jeder gesetzte Stein trägt dazu bei, den Kreis zu schließen. Lassen Sie sich Zeit, um den Gedanken und Gefühlen dabei ausreichend Raum zu geben.
Sie können von nun an auch immer einen Stein bei sich tragen und in die Hand nehmen, wenn der Schmerz besonders groß ist.

Affirmation: Jeder Stein den ich setze, trägt dazu bei, den Kreis zu schließen und die Wunde zu heilen.

 

Ritual: „Perlenkette der glücklichen Momente“

Mögen Sie Perlen? Wenn Ja, dann gestalten Sie sich doch eine Perlenkette der kleinen Glücksmomente. Dazu benötigen Sie Perlen Ihrer Wahl, die Sie in Bastelgeschäften erhalten. Außerdem ist es erforderlich, die Aufmerksamkeit auf die kleinen Glücksmomente im Tagesverlauf zu richten.
In der Trauer ist Glück zu empfinden nicht so einfach, weil der Verlust alles überschattet. Selbst dass die Sonne scheint, kann von Ihnen als unerträglich empfunden werden. Dadurch kommt es auch oft zu der Einstellung, dass es nun gar nicht mehr möglich ist, Glück zu empfinden. Die kleinen Glücksmomente des Alltags werden häufig übersehen oder außer Acht gelassen. Doch gerade sie sind es, die in schweren Zeiten Kraft und Energie spenden können. Achten Sie von nun an ganz besonders auf jene Momente, die positiv sind. Eine liebevolle Begegnung, die ersten Frühlingsblumen, das Lächeln eines Kindes, jemand, der an Sie gedacht hat, eine Nacht in der sie gut schlafen konnten… Nehmen Sie all dies ganz bewusst wahr, auch wenn Sie noch keine unmittelbare Freude dabei empfinden können. Für jeden guten Moment, der Ihnen bewusst wird, können Sie eine Perle auffädeln. Wenn Sie sich dabei diesen Moment noch einmal in Erinnerung rufen, so kann er Ihnen erneut ein gutes Gefühl schenken. Und gerade weil Glück zu empfinden in der Trauer nicht so selbstverständlich ist, erarbeiten Sie sich auf diese Art und Weise eine Kette von ganz besonderem Wert.

Affirmation: Ich sehe mit Dankbarkeit das kleine Glück, das mir Kraft und Freude schenkt.

 

Ritual: „Dem Fluss des Lebens vertrauen“

Suchen Sie sich einen ruhigen Platz an einem Fluss und beobachten Sie das Wasser. Das Leben ist vergleichbar mit dem Fließen des Wassers in einem Fluss. Aus der Quelle entsprungen bahnt sich das Wasser den weiten Weg bis zum Meer. Es fließt vorbei an vielen, vielen Ufern; manche wunderschön, andere weniger. Und immer wieder halten Widerstände das Fließen des Wassers einen Moment lang auf. Aber wie groß der Widerstand auch sein mag, das Wasser bahnt sich den Weg daran vorbei und erreicht eines Tages das Meer.
Manchmal erschweren Hindernisse den Fluss des Lebens. So beeinflussen Verluste, Probleme, Sorgen und Ängste das Leben mitunter so stark, dass kein Ausweg zu sehen ist. Halten Sie daran fest, kommt es zu einem Stau und es geht erst weiter, wenn der Druck groß genug ist.
In Ihrer Trauer mögen die Ufer ringsum trostlos sein, die Widerstände unüberwindbar erscheinen und eine bessere Zeit unvorstellbar. Doch haben Sie Geduld! Versuchen Sie nur den gegenwärtigen Moment zu erfüllen! Beobachten Sie das Fließen des Wassers und vertrauen Sie darauf, dass der Fluss des Lebens Sie weiter trägt, an neue, hoffnungsvolle Ufer!

Affirmation: Ich vertraue dem Fluss des Lebens und lasse mich an neue Ufer tragen.

 

Übung: „Berg der Trauer“

Wenn Sie sich Ihre Trauer als Berg vorstellen, den es gilt, Stück für Stück abzutragen, haben Sie, wie bei der Personifizierung der Angst, ein Instrument in der Hand, mit dem Sie aktiv Trauerarbeit leisten können.

Stellen Sie sich vor, dass der Berg Ihrer Trauer aus vielen sehr schmerzhaften Gefühlen und all den Begleiterscheinungen, die der Verlust mit sich bringt, besteht. Aus Verzweiflung, Sorgen, Ängsten und Nöten, aus Ohnmacht, Hilflosigkeit, Sehnsucht, Wut und Zorn. Auch Verwirrung, Kummer und Hoffnungslosigkeit ergeben diesen Berg, ebenso Einsamkeit, Tränen, Klagen, Schuldgefühle und schlaflose Nächte. Einfach alles, was die Trauer um einen verstorbenen Menschen ausmacht, ist zu einem hohen Berg aufgetürmt und scheint unüberwindbar. Mit dem Verlust Ihres geliebten Menschen war dieser Berg plötzlich da und nimmt nun unendlich viel Raum in Ihrem Leben ein. Er versperrt Ihnen nicht nur den Weg, sondern auch jegliche Sicht nach vorn. Je näher Ihnen der Verstorbene stand, umso größer ist der Berg. Es ist Ihr ganz persönlicher Berg der Trauer und des Verlustes.
Diesen Berg mit einem Mal aus dem Weg zu räumen, ist nicht möglich, doch Sie können ihn Stück für Stück abtragen. Mit jedem traurigen Gefühl, dass Sie zulassen, durch jede Träne, die Sie weinen und jedes dankbare Erinnern, wird der Berg etwas kleiner. Alles was nötig ist, um den Berg zu verringern, ist also das Zulassen der Trauer, mit all den schmerzhaften Gefühlen. Nehmen Sie jeden Stein an, der sich von diesem Berg löst und Ihnen als Last begegnet. Befreien Sie sich dann davon, indem Sie der jeweiligen Emotion Raum geben. In Ihnen wird immer die notwendige Kraft vorhanden sein, um die einzelnen Brocken des Berges zu bewältigen. Und auch wenn Sie glauben, es nie zu schaffen, werden dennoch mit der Zeit erst die Sicht auf die Zukunft und später auch der Weg dafür frei.
Es liegt dabei ganz in Ihrer ureigenen Entscheidung, in welchem Tempo Sie sich des Berges annehmen. Sie allein dürfen bestimmen, wie sehr Sie in der Lage sind, sich mit der Trauer auseinanderzusetzen. Sie dürfen Pausen einlegen und Ihr eigenes Tempo wählen, ganz so wie Ihre Kraft es Ihnen erlaubt.

 

Ein eigenes Märchen schreiben

An freien Tagen können Sie Ihre Familie oder Freunde treffen, oder sich etwas Zeit für sich selbst nehmen.
So könnten Sie sich zum Beispiel ganz gemütlich zu Hause zurückziehen und Ihr eigenes Märchen schreiben. Es erscheint im Zeitalter des Internet und anhand einer Vielzahl realer Geschichten, die wir täglich im Netz lesen, vielleicht etwas ungewöhnlich, aber es kann Freude bereiten und verbindet Sie mit einer inneren Quelle, die Ihnen womöglich gar nicht bewusst ist.
Erzählen Sie in Ihrem Märchen Ihre Geschichte. In diesem Märchen wird an einer Stelle sicher eine Wende vorkommen, die traurig oder schicksalhaft ist. Aber ich kenne kein Märchen, das an dieser Stelle endet. Meist gibt es einen Weg, der aus dem dunkelsten Wald herausführt und auch der böse Drachen wird besiegt. Naturkräfte und gute Wesen kommen zu Hilfe. Wie gehen Sie in Ihrem Märchen mit der Prüfung des Lebens um? Wie findet Ihr Held/ Ihre Heldin einen Weg? Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und schmücken Sie Ihr Märchen reich und intensiv aus. So kommt etwas in den Fluss, dass im Alltag wenig Raum findet, um an die Oberfläche zu kommen.

 

Musik ist ein Schlüssel

Musik transportiert auf wunderbare Weise Emotionen. Ein Song, der gefällt, kann mitreißen, erfreuen, entspannen, zu Herzen gehen, berühren, Erinnerungen wecken…

Nehmen Sie sich doch heute einmal ganz bewusst Zeit Ihrer Lieblingsmusik zu lauschen und geben Sie sich dem Zauber der Musik hin. Vielleicht gelingt es Ihnen dabei Freude zu spüren, Ruhe und Entspannung zu finden oder etwas Ballast abzuwerfen. Vielleicht kommen Sie auf diese Weise aber auch an den Schmerz, der tief in Ihnen ist und der im Alltag nicht immer Raum findet.

Löst die Musik bei Ihnen Emotionen aus, ist das ein Geschenk, welches Sie annehmen dürfen. Spüren Sie alle aufkommenden Gefühle und lassen Sie diese in dem Maße zu, wie Sie es ertragen können, auch wenn es schmerzlich ist. Wenn Sie sich dafür öffnen und gleichzeitig liebevolle Gefühle in Ihr Herz lassen, sind das unendliche kostbare Momente auf dem Weg der Heilung.

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