Archiv der Kategorie: Worte zur Trauer

Erinnern – so sanft, so schwer

Der Umgang mit Erinnerungen in der Trauer ist nicht immer einfach. Sich erinnern heißt nicht nur an vergangene Zeiten zurückdenken, sondern auch unmittelbar spüren, dass diese vorbei sind. Der Gedankenreise in die Vergangenheit folgen unweigerlich eine Sehnsucht und die bittere Erkenntnis: Es gibt kein Zurück und keine gemeinsame Zukunft. Nie wieder wird es so sein wie damals.

Richten Sie den Fokus allein auf diese Perspektive, haben Erinnerungen etwas sehr Quälendes, denn ohne Zweifel ist diese Erkenntnis die schmerzlichste Seite der Trauer. Akzeptieren, dass nichts zurückgeholt und auch nichts Gemeinsames mehr geplant werden kann, verdeutlicht die eigene Ohnmacht. Doch daran festhalten verstärkt den Schmerz unmittelbar.

Es ist immer schwierig den Verlust eines geliebten Menschen anzunehmen und zu akzeptieren, dass die gemeinsam erlebte Zeit unwiederbringlich ist. Doch die sanfte Seite der Erinnerung immer wieder aufzurufen, auch auf die Gefahr hin, dass sie von der schmerzlichen Seite begleitet wird, ist die Chance das Herz offen zu halten und zu heilen.

In der Trauer ist die Erinnerung die unmittelbarste Weise, auf die Sie dem Verstorbenen nah sein können. Erinnerungen können tröstlich sein und ein Gefühl von Dankbarkeit auslösen.

Ermutigen Sie sich, immer wieder in Erinnerungen einzutauchen. Nehmen Sie sich die Zeit Erinnerungen auch ganz bewusst aufzurufen. Die schmerzliche Erkenntnis, dass Vergangenes unwiederbringlich ist, ist Teil der Trauerbewältigung. Doch die schönen Momente der Erinnerung hinterlassen eine tiefe Bereicherung und halten die Verbundenheit aufrecht.

Was wir gelebt und gefühlt haben und was wir erinnern kann auch der Tod nicht nehmen.

© Diana Mirtschink

Weitere Anregungen zum Umgang mit Erinnerungen finden Sie in meinem Buch:
„Dieser Schmerz zerreißt mir fast das Herz“

Trauer ohne Schmerz?

Unlängst las ich in einem Artikel, dass die Wissenschaft mittlerweile in der Lage ist, die Biochemie der Liebe zu beeinflussen. Mit der „Liebespille“ ließe sich also das Glück der Liebe steuern. So könnte man inzwischen mit Medikamenten eine Liebe neu aufleben lassen oder die Bindungsfähigkeit stärken. Ebenso ließen sich auch die Emotionen bei Ende einer Beziehung beeinflussen. Man könnte den Trennungsschmerz sozusagen ausschalten. Und auch der Schmerz der Trauer wäre auf diese Weise sicher regulierbar.

Ein Medikament einnehmen, um die quälende Sehnsucht abzustellen?
Den Dopaminspiegel erhöhen, damit die Verzweiflung nicht spürbar ist?
Eine Tablette, die lindert, wenn die Trauer unerträglich ist?

Diese Möglichkeiten klingen verlockend, denn schmerzliche emotionale Erfahrungen gehören zu den größten und schwersten Herausforderungen des Lebens. Verlustschmerz ist heftig und hält lange an. Und wer wünscht sich in der Zeit der Trauer nicht immer wieder, dass es weniger weh tut, ja dass es endlich aufhört so schmerzlich zu sein. Nicht selten geraten Trauernde auch an den Rand der Verzweiflung und fühlen sich am Ende ihrer Kräfte und nicht länger in der Lage, den Schmerz zu ertragen. Wäre dann nicht legitim das Gefühlserleben zu verändern?

Wenn jedoch ein Medikament in der Lage wäre so einzugreifen, dass ein Verlust gar nicht schmerzlich erfahren wird, wie würden wir ihn dann erleben? Würden wir nach der Beerdigung ganz normal zum Alltag übergehen? Würden wir das Fehlen des geliebten Menschen hinnehmen, als wäre er nur in einer anderen Stadt? Könnten wir ohne Sehnsucht an ihn denken? Wären wir im Frieden mit dem Verlust?

Für mich ist das schwer vorstellbar. Mein Verständnis vom Schmerz ist, dass er eine wichtige Funktion hat; sowohl bei körperlichen, wie auch bei seelischen Wunden. Schmerzhafte Emotionen nach einer Verlusterfahrung sind für mich ein wichtiges Barometer unseres Empfindens, die man nicht ausschalten, sondern beachten sollte. Sie bedürfen der Hinwendung. Den Schmerz nicht zu fühlen bedeutet ja nicht gleichzeitig, dass alles in Ordnung ist. Würden wir nach einer Operation oder einer Verletzung durch die Einnahme von Medikamenten keinerlei Schmerz spüren, würden wir sicher die Grenzen der Belastbarkeit überschreiten. Der Schmerz zeigt hier an, wann Schonung und Ruhe erforderlich sind.

Der Schmerz in der Trauer zeigt ebenso an, was es bedarf und hilft bei der Heilung. Khalil Gibran schrieb in seinem Buch „Der Prophet“: `Euer Schmerz ist das Zerbrechen der Schale, die euer Verstehen umschließt. Er ist der bittere Trank, mit dem der Arzt in euch das kranke Ich heilt.`

Darüber hinaus steht der Schmerz auch für die Verbundenheit mit dem Verstorbenen. Wenn die Liebe groß war, werden auch die Verbundenheit und somit der Schmerz sehr groß sein. Könnte man an dieser Stelle den Schmerz reduzieren oder gar ausschalten, wie würde die Verbundenheit sich anfühlen?

Ich wünsche auf eine Art für alle, die einen schweren Verlust verarbeiten müssen, dass der Schmerz erträglich ist, aber ich wünsche niemandem, dass er den Verlust nicht fühlt. Mit einer Pille, die den Schmerz ausschalten kann, würden wir etwas zutiefst Menschliches ablegen.

© Diana Mirtschink

Bezogen auf einen Artikel aus „Der Spiegel“ Nr. 33/2014

Vom Lebenssinn

Zum Sinn des Lebens gehört es, jede Aufgabe und Situation so gut wie möglich zu meistern. Eine vom Schicksal bestimmte leidvolle Erfahrung geht dabei nicht nur mit einer größeren Herausforderung einher, sondern bietet auch die größeren Wachstumsmöglichkeiten. Und wenn sich Ihnen die Frage nach dem Lebenssinn stellt, gilt es, in Ihrem jetzigen Lebensabschnitt die schwere Zeit der Trauer zu erfüllen, bevor sich Ihnen ein neuer Weg erschließt. Letztlich sind auch Tod, Abschied und Trauer Aspekte des Lebens und somit nie ohne Sinn. Diese Betrachtungsweise erscheint im Schmerz erst einmal wenig tröstlich und doch ist jeder Widerstand nur noch schmerzlicher. Wenn Sie den Sinn Ihres Lebens ohne den geliebten Menschen infrage stellen, sollten Sie sich auch die Frage beantworten, wie Ihr Leben vor der Begegnung mit ihm verlaufen ist. War Ihr Leben ohne Sinn, Freude und Inhalt oder hatte die Begegnung lediglich eine Bereicherung zur Folge? Von dieser Bereicherung
wussten Sie aber bis zu diesem Moment nichts, und Sie können auch jetzt nicht wissen, welche Bereicherungen die Zukunft noch für Sie bereithält, wenn die Wunden geheilt sind…

…Möge auch Ihnen die Erfahrung von Leid und Schmerz zur Wachstumschance werden, aus der Sie innerlich gestärkt hervorgehen. Und mögen Sie durch das Wissen um Tod und Vergänglichkeit Ihr Leben bewusster und wertvoller wahrnehmen.

© Diana Mirtschink

Auszug aus meinem Buch „Dieser Schmerz zerreißt mir fast das Herz“

Rituale und Übungen

Ritual „Sorgenschatulle“

Suchen Sie sich eine kleine Schachtel oder Kiste, die Sie zu Ihrer „Sorgenschatulle“ ernennen. Wann immer eine Sorge oder eine schmerzliche Emotion Sie überkommt, schreiben Sie diese auf einen kleinen Zettel und stecken diesen in Ihre Sorgenschatulle. Sie können ihr alles anvertrauen.
Legen Sie für sich fest, wie viele Zettel Sie darin ertragen. Wenn diese Zahl erreicht ist, gehen Sie mit Ihrer Sorgenschatulle zu einem Fluss. Nun können Sie Zettel für Zettel herausnehmen, zerreißen und ins Wasser werfen. So wie der Fluss die Zettel fortträgt, werden auch Ihre Sorgen, Ängste und Nöte weichen, wenn Sie diese freigeben.
Eine andere Möglichkeit wäre auch, die Zettel zu verbrennen.

Affirmation: Ich gebe alle meine Ängste, Sorgen und Nöte frei.

 

Ritual: „Den Kreis schließen“

Die Trauer ist wie eine offene Wunde in Ihrer Seele, die viel Zuwendung und Zeit braucht, um zu heilen. Immer wenn Worte nicht mehr ausgesprochen, Zärtlichkeiten nicht mehr ausgetauscht und Träume nicht mehr gelebt werden können, spüren Sie diese Wunde besonders. Nehmen Sie bei jedem liebevollen Gedanken an Ihren Verstorbenen, für jede Zärtlichkeit, die Sie ihm noch schenken möchten, für jeden Traum, den Sie mit ihm noch gern gelebt hätten, aber auch für jeden Moment, in denen Sie sich des Abschiedes bewusst sind, einen Stein und setzen Sie daraus einen Kreis zusammen. Sie können sich dafür einen Platz in der Natur suchen oder einen Platz zu Hause schaffen.
Der Steinkreis kann innen ausgefüllt werden oder mit weiteren Steinen umrahmt werden. Jeder gesetzte Stein trägt dazu bei, den Kreis zu schließen. Lassen Sie sich Zeit, um den Gedanken und Gefühlen dabei ausreichend Raum zu geben.
Sie können von nun an auch immer einen Stein bei sich tragen und in die Hand nehmen, wenn der Schmerz besonders groß ist.

Affirmation: Jeder Stein den ich setze, trägt dazu bei, den Kreis zu schließen und die Wunde zu heilen.

 

Ritual: „Perlenkette der glücklichen Momente“

Mögen Sie Perlen? Wenn Ja, dann gestalten Sie sich doch eine Perlenkette der kleinen Glücksmomente. Dazu benötigen Sie Perlen Ihrer Wahl, die Sie in Bastelgeschäften erhalten. Außerdem ist es erforderlich, die Aufmerksamkeit auf die kleinen Glücksmomente im Tagesverlauf zu richten.
In der Trauer ist Glück zu empfinden nicht so einfach, weil der Verlust alles überschattet. Selbst dass die Sonne scheint, kann von Ihnen als unerträglich empfunden werden. Dadurch kommt es auch oft zu der Einstellung, dass es nun gar nicht mehr möglich ist, Glück zu empfinden. Die kleinen Glücksmomente des Alltags werden häufig übersehen oder außer Acht gelassen. Doch gerade sie sind es, die in schweren Zeiten Kraft und Energie spenden können. Achten Sie von nun an ganz besonders auf jene Momente, die positiv sind. Eine liebevolle Begegnung, die ersten Frühlingsblumen, das Lächeln eines Kindes, jemand, der an Sie gedacht hat, eine Nacht in der sie gut schlafen konnten… Nehmen Sie all dies ganz bewusst wahr, auch wenn Sie noch keine unmittelbare Freude dabei empfinden können. Für jeden guten Moment, der Ihnen bewusst wird, können Sie eine Perle auffädeln. Wenn Sie sich dabei diesen Moment noch einmal in Erinnerung rufen, so kann er Ihnen erneut ein gutes Gefühl schenken. Und gerade weil Glück zu empfinden in der Trauer nicht so selbstverständlich ist, erarbeiten Sie sich auf diese Art und Weise eine Kette von ganz besonderem Wert.

Affirmation: Ich sehe mit Dankbarkeit das kleine Glück, das mir Kraft und Freude schenkt.

 

Ritual: „Dem Fluss des Lebens vertrauen“

Suchen Sie sich einen ruhigen Platz an einem Fluss und beobachten Sie das Wasser. Das Leben ist vergleichbar mit dem Fließen des Wassers in einem Fluss. Aus der Quelle entsprungen bahnt sich das Wasser den weiten Weg bis zum Meer. Es fließt vorbei an vielen, vielen Ufern; manche wunderschön, andere weniger. Und immer wieder halten Widerstände das Fließen des Wassers einen Moment lang auf. Aber wie groß der Widerstand auch sein mag, das Wasser bahnt sich den Weg daran vorbei und erreicht eines Tages das Meer.
Manchmal erschweren Hindernisse den Fluss des Lebens. So beeinflussen Verluste, Probleme, Sorgen und Ängste das Leben mitunter so stark, dass kein Ausweg zu sehen ist. Halten Sie daran fest, kommt es zu einem Stau und es geht erst weiter, wenn der Druck groß genug ist.
In Ihrer Trauer mögen die Ufer ringsum trostlos sein, die Widerstände unüberwindbar erscheinen und eine bessere Zeit unvorstellbar. Doch haben Sie Geduld! Versuchen Sie nur den gegenwärtigen Moment zu erfüllen! Beobachten Sie das Fließen des Wassers und vertrauen Sie darauf, dass der Fluss des Lebens Sie weiter trägt, an neue, hoffnungsvolle Ufer!

Affirmation: Ich vertraue dem Fluss des Lebens und lasse mich an neue Ufer tragen.

 

Übung: „Berg der Trauer“

Wenn Sie sich Ihre Trauer als Berg vorstellen, den es gilt, Stück für Stück abzutragen, haben Sie, wie bei der Personifizierung der Angst, ein Instrument in der Hand, mit dem Sie aktiv Trauerarbeit leisten können.

Stellen Sie sich vor, dass der Berg Ihrer Trauer aus vielen sehr schmerzhaften Gefühlen und all den Begleiterscheinungen, die der Verlust mit sich bringt, besteht. Aus Verzweiflung, Sorgen, Ängsten und Nöten, aus Ohnmacht, Hilflosigkeit, Sehnsucht, Wut und Zorn. Auch Verwirrung, Kummer und Hoffnungslosigkeit ergeben diesen Berg, ebenso Einsamkeit, Tränen, Klagen, Schuldgefühle und schlaflose Nächte. Einfach alles, was die Trauer um einen verstorbenen Menschen ausmacht, ist zu einem hohen Berg aufgetürmt und scheint unüberwindbar. Mit dem Verlust Ihres geliebten Menschen war dieser Berg plötzlich da und nimmt nun unendlich viel Raum in Ihrem Leben ein. Er versperrt Ihnen nicht nur den Weg, sondern auch jegliche Sicht nach vorn. Je näher Ihnen der Verstorbene stand, umso größer ist der Berg. Es ist Ihr ganz persönlicher Berg der Trauer und des Verlustes.
Diesen Berg mit einem Mal aus dem Weg zu räumen, ist nicht möglich, doch Sie können ihn Stück für Stück abtragen. Mit jedem traurigen Gefühl, dass Sie zulassen, durch jede Träne, die Sie weinen und jedes dankbare Erinnern, wird der Berg etwas kleiner. Alles was nötig ist, um den Berg zu verringern, ist also das Zulassen der Trauer, mit all den schmerzhaften Gefühlen. Nehmen Sie jeden Stein an, der sich von diesem Berg löst und Ihnen als Last begegnet. Befreien Sie sich dann davon, indem Sie der jeweiligen Emotion Raum geben. In Ihnen wird immer die notwendige Kraft vorhanden sein, um die einzelnen Brocken des Berges zu bewältigen. Und auch wenn Sie glauben, es nie zu schaffen, werden dennoch mit der Zeit erst die Sicht auf die Zukunft und später auch der Weg dafür frei.
Es liegt dabei ganz in Ihrer ureigenen Entscheidung, in welchem Tempo Sie sich des Berges annehmen. Sie allein dürfen bestimmen, wie sehr Sie in der Lage sind, sich mit der Trauer auseinanderzusetzen. Sie dürfen Pausen einlegen und Ihr eigenes Tempo wählen, ganz so wie Ihre Kraft es Ihnen erlaubt.

 

Ein eigenes Märchen schreiben

An freien Tagen können Sie Ihre Familie oder Freunde treffen, oder sich etwas Zeit für sich selbst nehmen.
So könnten Sie sich zum Beispiel ganz gemütlich zu Hause zurückziehen und Ihr eigenes Märchen schreiben. Es erscheint im Zeitalter des Internet und anhand einer Vielzahl realer Geschichten, die wir täglich im Netz lesen, vielleicht etwas ungewöhnlich, aber es kann Freude bereiten und verbindet Sie mit einer inneren Quelle, die Ihnen womöglich gar nicht bewusst ist.
Erzählen Sie in Ihrem Märchen Ihre Geschichte. In diesem Märchen wird an einer Stelle sicher eine Wende vorkommen, die traurig oder schicksalhaft ist. Aber ich kenne kein Märchen, das an dieser Stelle endet. Meist gibt es einen Weg, der aus dem dunkelsten Wald herausführt und auch der böse Drachen wird besiegt. Naturkräfte und gute Wesen kommen zu Hilfe. Wie gehen Sie in Ihrem Märchen mit der Prüfung des Lebens um? Wie findet Ihr Held/ Ihre Heldin einen Weg? Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und schmücken Sie Ihr Märchen reich und intensiv aus. So kommt etwas in den Fluss, dass im Alltag wenig Raum findet, um an die Oberfläche zu kommen.

 

Musik ist ein Schlüssel

Musik transportiert auf wunderbare Weise Emotionen. Ein Song, der gefällt, kann mitreißen, erfreuen, entspannen, zu Herzen gehen, berühren, Erinnerungen wecken…

Nehmen Sie sich doch heute einmal ganz bewusst Zeit Ihrer Lieblingsmusik zu lauschen und geben Sie sich dem Zauber der Musik hin. Vielleicht gelingt es Ihnen dabei Freude zu spüren, Ruhe und Entspannung zu finden oder etwas Ballast abzuwerfen. Vielleicht kommen Sie auf diese Weise aber auch an den Schmerz, der tief in Ihnen ist und der im Alltag nicht immer Raum findet.

Löst die Musik bei Ihnen Emotionen aus, ist das ein Geschenk, welches Sie annehmen dürfen. Spüren Sie alle aufkommenden Gefühle und lassen Sie diese in dem Maße zu, wie Sie es ertragen können, auch wenn es schmerzlich ist. Wenn Sie sich dafür öffnen und gleichzeitig liebevolle Gefühle in Ihr Herz lassen, sind das unendliche kostbare Momente auf dem Weg der Heilung.

Trauergedichte

Abschied

Kaum noch Kraft, aber so viel Liebe.
Kaum noch Worte, aber Gesten voller Zärtlichkeit.

Ich saß an deiner Seite und wollte nirgends woanders sein.
Ich lies dich gehen und weiß, dass wir uns wiedersehen.

© Diana Mirtschink

 

Sehnsucht

Sehnen und suchen ist wie ein wildes Tier in mir.
Wann wird es ruhen?

Wenn ich gefunden habe, was ich suche?
Wenn ich aufhöre zu suchen?

Doch was suche ich noch,
wo ich dich nicht mehr finden kann?

Ich habe alles bessen.
Der flüchtige Augenblick hat viel vergessen.

Er bringt Neues, aber dich nicht zurück.
Mit deinem Tod scheint verloren all mein Glück.

Doch meine Liebe zu dir überdauert die Zeit.
und die Erinnerung an dich macht mein Herz ganz weit.

© Diana Mirtschink

 

Trauer hat viele Gesichter

Sie kommt heftig,
sie ist schmerzvoll,
sie lähmt,
sie vereinnahmt,
sie verletzt,
sie macht manchmal wütend,
sie lässt sich kaum kontrollieren,
sie ist immer an deiner Seite,
sie nimmt die Leichtigkeit,
sie bringt die Sehnsucht,
sie ist dunkel,
sie erschöpft…

Aber sie ist auch ein Begleiter.

Sie will dich schützen,
sie will dich trösten,
sie führt dich,
sie lässt dich erinnern,
sie zeigt dir die Liebe,
sie weckt dein tieferes „Ich“,
sie bringt dir Verbundenheit,
sie hilft dir den Verlust zu heilen.

Gib ihr die Zeit, die sie dafür braucht.

© Diana Mirtschink

 

 Du fehlst!

Was gibt es mehr zu sagen.

Meine Wünsche bringen dich nicht zurück,
Meine Sehnsucht nach dir lässt sich nicht stillen.
Meine Erinnerungen sind mir zu wenig.
Meine Trauer kann ich nicht ignorieren.

Doch meine Liebe lässt sich dadurch nicht bezwingen.

© Diana Mirtschink

 

Angst

Sie kann dich lähmen
und alles was je war, in Frage stellen.

Sie kam ungebeten,
nahm Raum und täglich auch ein Stück von dir.

Aber nun ist es an der Zeit,
sie wieder gehen zu lassen.

Schau sie dir an, beobachte sie
und weiche ihr nicht aus.

Lass sie noch sagen, was sie dir zu sagen hat,
aber überlasse ihr nicht länger die Macht.

Sie wird ganz schwach, wenn du stark bist
und sie wird ganz klein, wenn du groß bist.

Nur du allein bestimmst, wohin du steuerst
und mit Liebe überwindest du die Angst!

© Diana Mirtschink

 

Schau hin

Kein Sonnenstrahl dringt heute durch die Wolkenwand.

Dein Herz ist schwer, auf den Schultern so viel Last.

Den Joker im Spiel des Lebens haben gerade andere in der Hand.

Was könnte dich jetzt noch retten?
………………..
Schau hin; um dich herum sind nicht nur Probleme, Trauer und Schmerz.

Es gibt auch unzählige wundervolle Augenblicke:

Sieh die Neugier und das Staunen eines Kindes,
Sieh in den Augen eines alten Menschen die gelebten Jahre,
Erkenne die Harmonie der Natur rings um Dich herum…

Nimm all das wahr, richte Dich auf,
blicke mutig geradeaus und schenke dem Kind in dir ein Lächeln.

© Diana Mirtschink

 

Abendstunde

Kommt die Ruhe oder die Unruhe zu mir heut Nacht?
Wie werde ich es schaffen, dich nicht schmerzvoll zu vermissen?
Finde ich Schlaf ohne lange zu grübeln?

Doch was wäre, wenn da kein Gedanke an dich mehr auftaucht? Leere?
Und was wäre, wenn ich nicht von dir träumen könnte?

Es ist still ohne dich.
Aber ohne die Erinnerung wäre alles für mich nur halb so intensiv:
der Schmerz, wie die Liebe.

© Diana Mirtschink

 

Ein Jahr ohne dich

Ich sehe dich noch immer vor mir, wie ich dich alle Zeit gesehen habe.
Dein Lachen, deine Güte, deine Herzlichkeit, deine grenzenlose Liebe.

Ich fühle alles, was ich immer für dich empfunden habe.
Du bist mir so nah, als wärst du nicht gegangen.

In der Erinnerung höre ich deine Stimme, sehe ich deine Augen
und spüre deine Hand in meiner.
Es kommt mir so vor, als hättest du mich erst gestern zum letzten Mal umarmt.

Das du mich ein Stück meines Weges begleitet hast, nenne ich Glück
und erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit.
Der Tod kann uns nicht nehmen, was du hinterlassen hast.

© Diana Mirtschink

 

Vermächtnis

Die Trauer bringt mich dir ganz nah.
Die Erinnerung lässt mich mit dir verbunden sein.
Die Dankbarkeit macht es leichter.
Die Liebe zu dir erfüllt mein Herz.

© Diana Mirtschink

 

Unausgesprochen

So vieles wollte ich dir noch sagen. Ich dachte wir haben ewig Zeit.
Nun sende ich dir meine stummen Worte in die Unendlichkeit.

© Diana Mirtschink

 

Trauersplitter

Durch deinen Tod
ist unser gemeinsames Glück
unwiederbringlich zerbrochen.

Nur noch Scherben-
wohin ich auch schaue.
Matt und glanzlos
spiegeln sie mir meine Trauer.

Bunt sind nur
die Scherben der Erinnerung.
Sie leuchten in der Sonne
und ich baue ein Mosaik daraus.

Die spitzen Scherben
des Verlustes jedoch
verletzen mich
wenn ich sie vergrabe.

Wie ein spitzer Stachel
sitzt der Schmerz dann
unter der Oberfläche
und trifft mich unvorbereitet
mitten ins Herz.

© Diana Mirtschink

 

Nie im Streit

Gehe nie im Streit
mit einem geliebten Menschen auseinander.
Schenke ihm noch ein letztes Lächeln
und einen lieben Gruß zum Abschied.
Denn könntest du ihn nie mehr wiedersehen,
würde die Last von tausend ungesagten Worten
und das stille Flehen um Verzeihung
dein Herz unendlich erschweren.

© Diana Mirtschink

 

Ich habe die Wahl

Ich bade im Schmerz meiner Traurigkeit,
als gäbe es keine anderen Gefühle, die mich tragen könnten.

Doch es liegt ganz an mir, was ich wähle
und ich kann in jedem Moment neu entscheiden.

© Diana Mirtschink

 

Meine Bitte

Schenke mir einen Traum heut Nacht
so voller Liebe.

Schenke mir ein Zeichen,
dass ich spüre, du begleitest mich.

© Diana Mirtschink

 

Endlos

Das Meer unter mir,
der Himmel über mir
und du bei mir…
in meinem Herzen,
in meinen Gedanken.

© Diana Mirtschink

 

Gib nicht auf

Eine schwere Last.
Ein steiler Weg.
du kannst das alles schaffen.
Du bekommst immer nur so viel,
wie du auch tragen kannst.
Vertraue, lebe, liebe und gib nie auf!

© Diana Mirtschink

 

Fehlende Worte
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, fehlen die Worte
und wir sind unfähig auszudrücken was wir fühlen.

Es ist unfassbar, unbegreiflich, unvorstellbar.
Es ist unendlich schmerzlich.
Es macht hilflos, wütend, ängstlich, ohnmächtig.
Es lässt manchmal alle Hoffnung und Zuversicht verlieren.
Es bringt Verzweiflung, Sehnsucht und Tränen.

Das alles wird in der Trauer so erlebt.
Und manchmal glaubt man, es hört nie auf.
Doch unmerklich verändert es sich auch.
Was immer bleibt sind die Liebe und die Erinnerungen
und diese überdauern den Schmerz.

© Diana Mirtschink

 

Und während der Wind
noch über hundert Jahre alte Gräber streift,
sind die Liebenden längst wieder vereint.

© Diana Mirtschink

 

Kein anderer

Ein anderer hat nun deinen Parkplatz
Ein anderer macht deine Arbeit
Ein anderer bucht die Reise…

Die Welt ordnet sich neu,
Lücken werden geschlossen.

Aber nicht die Lücke,
die du in meinem Herzen hinterlassen hast.
Kein anderer kann sie schließen.
Kein anderer ist so wie du.

In meiner Welt gehst du niemals verloren.

© Diana Mirtschink

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dankbarkeit und Trauer– schwer vereinbar?

Dankbarkeit und Trauer – schwer vereinbar?

In letzter Zeit bin ich mehrmals mit dem Wort Dankbarkeit in Berührung gekommen. Es gelingt mir im Moment auch schnell, mich auf das Gefühl der Dankbarkeit einzuschwingen und ein Tag, der kein besonderer ist, fühlt sich dadurch viel leichter an.
Es ist unumstritten, dass ein Gefühl von Dankbarkeit einem Glücksgefühl gleichkommt. Und es ist schön, wenn man dies bewusst einsetzen kann. So kann ein „Danke“, wenn man es auch fühlt, viel verändern.

Aber ich weiß natürlich auch, dass es viel schwerer ist, zu diesem Gefühl zu gelangen, wenn Probleme den Alltag belasten, Krankheit das Leben überschattet oder gar Trauer und Tod. Lässt sich mal eben dankbar sein, wenn man einen geliebten Menschen so sehr vermisst? Wie findet sich zur Dankbarkeit, wenn der Verlust eher wütend macht? Ist diese Form von Glücksgefühl mal wieder nur für jene, die ohnehin vom Kummer verschont sind? So betrachtet kann es sogar einen Groll auslösen, der weit entfernt von Dankbarkeit ist.

Ja, es wird Tage geben, wo der Zustand von Dankbarkeit nicht greifbar ist, wo noch so große Bemühungen nicht dahin führen. Aber das braucht kein andauernder Zustand sein. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute lässt sich neu entscheiden, ob ein „Danke“ Platz findet. Es gibt unendlich viele Momente, für die sich dankbar sein lässt – auch in der Trauer und in schweren Zeiten. Es lässt sich dankbar sein für die Hilfe eines Freundes, für eine Nacht in der man gut schlafen konnte, für die Erfahrung etwas allein geschafft zu haben, von dem man glaubte, es nie zu schaffen, für die Schönheit der Natur, für die Liebe, die man erleben durfte und noch erlebt, für Erinnerungen, die das Herz erwärmen und für vieles mehr, was nicht immer offensichtlich ist.

Zur Dankbarkeit lässt sich finden, indem man sich dafür öffnet. Dies lässt dann unmittelbar den „Rucksack“ mit Sorgen und Kummer etwas leichter werden.

Schauen Sie heute einmal ganz bewusst, wofür Sie dankbar sind!

Individualität in der Verabschiedung – Von der Trauerfeier bis zur Danksagung

Unmittelbar nach dem Tod eines geliebten Menschen ist der Hinterbliebene nicht nur mit Schock und großer Trauer konfrontiert, sondern auch mit einer Vielzahl von Aufgaben, mit denen er sich vielleicht noch nie auseinandergesetzt hat. Was da auf den Trauernden in kürzester Zeit einstürzt, übersteigt oft sein Auffassungs- und Entscheidungsvermögen, weil die Trauer alles überschattet. Bei der Planung der Trauerfeier und der Beerdigung, bei der Grabauswahl, der Trauerrede und bei der Gestaltung der Traueranzeige und Danksagung, sowie bei vielen notwendigen Formalitäten stehen Bestatter und Trauerredner mit ihrem Beistand zur Seite. So wird dem Trauernden vieles abgenommen, was er im Schmerz der Trauer auch als Erleichterung empfindet. Der Bestatter nimmt sich meist viel Zeit für das Gespräch und hat auch ein offenes Ohr für die Trauer. Dennoch wird dies immer nur zur gängigen Form der Bestattung führen, wenn an dieser Stelle nicht eigene Wünsche und Vorstellungen eingebracht werden.

Doch wie individuell darf eine Beerdigung sein? Darf auf einer Trauerfeier auch ein fröhliches Lied gespielt werden, wenn es das Lieblingsstück des Verstorbenen war? Muss bei einer Beerdigung ausschließlich schwarze Kleidung getragen werden?  Darf in einer Traueranzeige oder Danksagung auch mit eigenen Worten formuliert werden, was vermittelt werden soll, fern von den gängigen Sprüchen? Darf die Trauerfeier einen Rahmen erhalten, der nicht nur feierlich ist, sondern der Individualität des Verstorbenen entspricht? Hobbys und Vorlieben einfließen zu lassen, stellt den Verstorbenen noch einmal ganz in den Mittelpunkt. Warum nicht den Sarg auf die Weise gestalten, wie es dem Verstorbenen gefallen hätte? Nicht nur ein Kindersarg kann bemalt werden.

Wer im Inneren Trauer trägt, wird mit dunklen Farben und einer melancholischen Atmosphäre in Resonanz gehen. Der Ausdruck der Trauer auf diese Weise ist natürlich und erweist dem Verstorbenen und den nächste Angehörigen Respekt. Aber wenn es dem Verstorbenen anders gefallen hätte, darf das auch auf diese Weise umgesetzt werden. Viele Trauernde wollen Kosten und Mühen nicht scheuen, die Beerdigung zu etwas ganz Besonderem für den Verstorbenen zu gestalten, weil es das Letzte ist, was sie dem geliebten Menschen noch geben können. Oft fehlt es nur am Mut, von der gängigen Norm abzuweichen.

Beim letzte Gang, auf dem der Verstorbene  begleitet wird, beim letzten Gruß der ausgesprochen wird, sollte alles erlaubt sein, was den Verstorbenen erfreut hätte, denn es ist seine letzte Feier. Alles was die Erinnerung an ihn weckt und das Herz berührt, macht die Verabschiedung persönlich und zur Bereicherung für alle.

Männer und Trauer

Der überwiegende Teil von Trauernden, die nach einem Verlust Hilfe in Anspruch nehmen, sind Frauen. Und schaut man sich auf Friedhöfen um, dann findet sich eine Vielzahl von Bildnissen Trauernder Frauen. So könnte man meinen, für Männer ist die Trauer einfacher zu bewältigen, weil sie anders damit umgehen. Es gibt auch deutliche Unterschiede beim Umgang mit der Trauer zwischen Männern und Frauen, das heißt jedoch nicht, dass die Intensität geringer ausfällt.

Männer trauern anders. Sie wirken nach außen hin oft nicht so betroffen und reagieren meist mit erhöhter Aktivität auf Verlusterlebnisse. Die Rolle des starken Mannes als Beschützer und Versorger, der alles unter Kontrolle hat, erlaubt ihm nicht, Schwächen zu zeigen.

Während bei Frauen das Ausleben von Emotionen und über den Verlust zu sprechen eine große Rolle spielt, verschließen sich Männer eher vor Gefühlen und begegnen der Trauer meist mit vermehrter Arbeit oder Aktivitäten. So wird versucht die innere Leere im Außen zu füllen. Aktiv sein nimmt dem Mann im Moment tiefster Verzweiflung das Gefühl der Ohnmacht und das liegt Männern auch viel mehr, weil sie lösungsorientiert sind. Sie versuchen den Alltag zu beherrschen, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Deshalb steht im Zentrum ihrer Trauer das Bewältigen konkreter Probleme. Zu handeln vermittelt dem Mann ein gewisses Maß an Sicherheit und gibt Halt im Gefühlschaos, welches er versucht nicht zu nah an sich heran zu lassen. Auf diese Weise versuchen Männer durch erhöhte Aktivität und vermehrte Arbeit auch oftmals der Realität zu entfliehen.

Schmerzhafte Gefühle verarbeiten Männer lieber für sich allein, selten werden diese anderen Menschen anvertraut. Sie benötigen Raum und Zeit dafür und ziehen sich daher gern zurück. Männer brauchen diese Zwischenräume, in denen sie sich dem Schmerz hingeben können. Solche Auszeiten, fern von Verantwortung und Scheinstärke, sind unendlich wichtig, um Kraft zu sammeln und sich mit dem Leid auf die eigene Art und Weise auseinander zu setzen, denn auch Männer tragen Ängste, Schmerz, Wut und all jene Emotionen in sich, die eine Trauer begleiten. Auch sie hadern mit dem Schicksal und stehen dem Verlust ohnmächtig gegenüber. Gefühle zeigen gilt für die meisten Männer jedoch als Zeichen von Schwäche und so versuchen sie vor allem im Berufsleben die Gefühle zu verbergen, um keine Angriffsfläche zu bieten. Aber auch im privaten Umfeld wollen sie ihrer Rolle entsprechend stark sein. Der Mann mit der Schulter zum Anlehnen, der Schutz und Sicherheit bietet, immer eine Lösung parat hat und auch in der Krise weiter weiß; das sind seine eigenen Ansprüche an sich und auch oft die Erwartungen der Familie an ihn. Was aber, wenn er keine Lösung hat, selbst nicht weiter weiß und die starke Schulter schon an der eigenen Last so schwer trägt? Hier wird er unweigerlich an seine Grenzen kommen und sollte sich dies eingestehen. Wenn ein trauernder Mann akzeptiert, dass er nicht für alles eine Antwort und Lösung parat haben kann und dass das Leid ausgehalten werden muss, wenn er nicht stecken bleibt in der dumpfen Schwere und im Rückzug vor der Welt und für sich eine Entlastung findet, dann ist dies zwar ein ohnmächtiger und sehr schmerzlicher Aspekt für ihn, aber er erhält hierdurch Zugang zu seinem tiefsten Innern, wie Frauen ihn über das Ausleben von Gefühlen erhalten.

Erwähnt werden sollte noch, dass es natürlich auch Männer gibt, die ihre Gefühle ausleben und zeigen können, so wie es Frauen gibt, die mehr auf die „männliche Art“ trauern. Jeder Mensch trägt männliche und weibliche Anteile in sich; den jeweils anderen Anteil zu integrieren ergibt ein inneres Gleichgewicht. Der Trauerprozess kann dafür ein wertvoller Indikator sein.

In jedem Fall sollte ein Mann,  der einen Verlust erfahren hat, seinen Bedürfnissen entsprechend und auf seine eigene, ganz unverwechselbare Art und Weise wertungs- und erwartungsfrei trauern dürfen.

Wieviel Trauer darf mit-geteilt werden?

Wie lange darf Trauer mit-geteilt werden?

Immer wieder treffe ich Menschen, die um einen Verstorbenen trauern. Und das nicht nur im beruflichen Bereich, sondern auch im näheren Umfeld. Was mir dabei häufig auffällt ist die Tatsache, dass bereits nach kurzer Zeit immer weniger über den Verlust gesprochen wird.

Unmittelbar nach dem Tod wird dem Trauernden sehr viel ehrliches Bedauern und Mitgefühl entgegengebracht. Aber darüber hinaus findet schon nach wenigen Wochen die Trauer mitunter kaum noch Raum in den Gesprächen. Selbst im Familienkreis gibt es oft bald nur noch begrenzten Austausch über die Trauer, den Verlust und den Verstorbenen. Da möchte der Sohn seine Mutter schützen und spricht schon kurze Zeit nach dem Tod des Vaters mehr über Alltägliches als von ihm. Die Oma wiederum möchte den Enkel, der den Opa vermisst, nicht noch trauriger stimmen und setzt ein fröhliches Gesicht auf. Und tapfer versichert sie dem Sohn, dass sie schon klar kommt, damit er sich nur keine Sorgen macht.
So bleibt jedoch jeder mit seiner Trauer allein. Und Kindern wird auf diese Weise gleichzeitig vermittelt, dass es besser ist, nicht über den Tod zu reden.

Trauernde haben mitunter schon bald das Gefühl, dass Sie wieder zur Normalität übergehen müssen, weil das Umfeld es auch tut und die Trauer nur begrenzt mitgehen kann.

Wie halten Sie es? Erlauben Sie sich über Ihre Trauer zu sprechen, auch wenn Sie nicht darauf angesprochen werden? Bringen Sie klar zum Ausdruck wenn es Ihnen schwer fällt, über Belangloses zu reden, weil Sie in dem Moment viel mehr das Bedürfnis haben, an Ihren Verstorbenen zu erinnern? Vermitteln Sie Ihrem Umfeld, wenn Sie schutzbedürftig sind und sich Hilfe oder Zuwendung wünschen?

Und an das Umfeld von Trauernden richten sich die Fragen:
Worüber sprechen Sie mit der Nachbarin, die vor einigen Monaten ihren Mann verloren hat? Fragen Sie die Kollegin ein halbes Jahr nach dem Tod der Mutter noch, wie es ihr geht? Und wie gehen Sie mit den Freunden um, die vor längerer Zeit ihr Kind verloren haben? Zeigen Sie immer noch Interesse an den Gefühlen, oder scheuen Sie Fragen, weil Sie gar nicht wissen, wie Sie mit der Trauer des Anderen umgehen sollen?

Mitgefühl und ehrliches Interesse sollten nicht auf wenige Wochen begrenzt sein, denn Trauer hört nicht einfach auf. Aber sie wird erträglicher, wenn sie mit-geteilt werden kann.