Archiv der Kategorie: Leseproben

Warum?

warum

Warum mußte das passieren? Warum bist Du nicht etwas später aus dem Haus gegangen? Warum war ich nicht da? Warum habe ich dir gestern nicht gesagt, wie sehr ich dich liebe?

Wieder und wieder gehen mir all diese und andere Fragen nach dem „Warum“ durch den Kopf, weil ich nicht verstehen und begreifen kann, was jetzt bittere Realität ist. „Warum?“ Manchmal klammere ich mich an die Hoffnung, dass mir Antworten helfen und etwas von meiner Ruhelosigkeit nehmen würden oder dass ich dadurch vielleicht akzeptieren und annehmen könnte, was geschehen ist. Aber vermutlich würden wohl auch Antworten nichts ändern, denn du bist nicht mehr da und nichts bringt dich zurück. Weiterlesen

Über den Tod

Gedenkstätte

Drei Buchstaben nur, aber wer unmittelbar mit dem Tod konfrontiert wird, für den ändert sich augenblicklich alles. Nichts ist mehr, wie es einmal war, und wird nie wieder so sein. Von nun an gibt es eine Zeitrechnung vor und nach dem Ereignis. Es scheint, als würde die Welt sich weiter drehen, als wäre nichts geschehen, doch für den Hinterbliebenen hat sich die ganze Welt verändert. Das Ausmaß ist schier unbegreiflich und wie zum Schutz für den Moment nicht zu erfassen. Jeder Versuch, das Geschehen und das Empfinden in Worten auszudrücken, bleibt unzureichend. Schock, Verzweiflung, Schmerz, Angst … keine Beschreibung kann annähernd wiedergeben, was für ein Gefühl nun um sich greift. Weiterlesen

Märchen vom Tod, der untertauchte

Märchen vom Tod, der untertauchte

So lange es Lebewesen gibt, existiert auch der Tod. Seit Milliarden von Jahren verrichtet er nun schon sein Werk und beklagte sich nie. Dabei ist seine Aufgabe alles andere als einfach. Wo immer er erscheint, wird er gefürchtet und erfährt heftigen Widerstand.Die Menschen versuchen, ihn immer öfter in Krankenhäusern mit Technik zu überlisten, so dass er manchmal ein zweites oder drittes Mal kommen muss, um seine Arbeit zu vollenden. In Zeiten von Kriegen hat er so viel zu tun, dass auch er erschöpft ist, doch nirgendwo erfährt er Einlass, um sich auszuruhen. Und neuerdings sind es die Menschen selbst, die immer mehr Naturkatastrophen verursachen, dann muss er sich um Mensch und Tier gleichzeitig kümmern. Früher hatten die Menschen auch mehr Achtung vor ihm. Wenigstens das schenkte ihm etwas Anerkennung. Jetzt klettern sie auf zu hohe Berge, setzen sich in Flugzeuge und donnern mit schweren Maschinen viel zu schnell über die Landstraßen. Weiterlesen

Wut

Wut fotofun4u pixelio.de

Es war eine rasende Wut, die in mir tobte, als hätte jemand die Tür zu einem Geisterschloss geöffnet und hundert Geister aufgeschreckt. Es gelang mir nicht, mich zu beruhigen, ich lief auf und ab, raufte mir die Haare, klagte und weinte. Ich wollte laut schreien, aber die Nachbarn hätten mich gehört. Ich hatte das Bedürfnis zu rennen – wollte einfach nur weit weg. Ich wusste nicht wohin mit mir und wie ich mit dieser Wut, die sich – losgelöst von meinem Willen – aufbäumte, umgehen sollte. Am liebsten wäre ich mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen. Ich wollte fast lieber körperlichen Schmerz spüren als diese unbeschreibliche Wut. Ich weiß nicht, wie lange dieser Zustand andauerte. Irgendwann ließ meine Kraft nach und ich weinte mich in den Schlaf. Als ich erwachte, fühlte ich mich leer und ausgebrannt, aber irgendwie auch in der Lage, den Weg weiterzugehen. Weiterlesen

Angst

Angst Joujou pixelio.de

Ich habe Angst! Einfach nur große, große Angst! Ich weiß nicht, ob ich dem, was auf mich zukommt, gewachsen bin. Werde ich den Alltag allein schaffen? Wie lange werde ich ertragen, was mich jetzt schon fast in die Knie zwingt? Ich habe Angst, allein zu sein, aber auch, wenn ich unter Menschen bin, lässt sie mir keine Ruhe. Ich habe Angst vor jedem neuen Tag, vor jeder Nacht und noch viel mehr vor der Zukunft. Manchmal habe ich Angst und weiß gar nicht genau wovor.
 So lange du an meiner Seite warst, war die Welt für mich in Ordnung und ich habe mir all die Fragen um die Zukunft gar nicht gestellt. Du gabst mir Sicherheit und warst mein Fels in der Brandung. Du hast mich getröstet und mir jeden Anflug von Besorgnis sofort genommen. Und nun ist alles, was mir scheinbaren Halt gegeben hat, mit dir gegangen.

Die Angst ist so mächtig und vereinnahmend und hält mich in ihrem Würgegriff gefangen. Sie macht mich ruhelos, nimmt mir die Luft zum Atmen und sitzt wie eine Last auf meinen Schultern. Ich möchte sie abschütteln, möchte frei sein, wenigstens etwas leichter, doch es kommt mir vor, als wenn sie stetig mehr Besitz von mir ergreift. „Angst frisst Seele auf!“, habe ich einmal gehört. Jetzt weiß ich nur zu gut, was damit gemeint ist. Ich verändere mich unter der Angst mehr und mehr und erkenne mich manchmal selbst kaum wieder.

Angst in der Trauer

Wer mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert wird, erlebt ein sehr großes Gefühlschaos. Schmerz, Trauer, Hilflosigkeit, Ohnmacht und andere ungeliebte Gefühle bestimmen nun das Erleben. Eine der wohl am schwersten zu ertragenden Emotionen ist dabei die Angst. Sie schickt stetige Besorgnis und Fragen, für die sich noch keine beruhigenden Antworten finden lassen.

„Was soll nun werden?“
„Wie soll nun alles weitergehen?“
„Wie soll ich es allein schaffen?“
„Wie soll ich ohne dich leben?“

Es macht kaum einen Unterschied, ob es sich dabei um die Angst vor der Einsamkeit oder eine existenzielle Angst handelt. Das Gewicht wiegt gleich schwer. Selbst eine diffuse Angst, welche sich nicht einordnen lässt, ist stark belastend. Im Würgegriff der Angst ist es kaum möglich, einen klaren Gedanken zu fassen. Hoffnung ist nicht in Sicht, wenn die Angst Besitz ergreift. Angst kann lähmen, Angst engt ein, und dies ist sehr oft auch körperlich spürbar. Ein flaues Gefühl in der Magengegend, eine Enge in Brust oder Hals, auch Herzrasen, Zittern und Schweißausbrüche, bis hin zur Panik können Begleiterscheinungen der Angst sein. Die Angst kann schleichend kommen, als steter, unangenehmer Begleiter ständig präsent sein oder mit so großer Wucht hereinbrechen, dass das Gefühl entsteht, den Boden unter den Füßen zu verlieren…

Besonders schwere Tage

Besonders schwere Tage Fotolia

Die letzten Tage waren besonders schlimm. In meiner Verzweiflung habe ich nur geweint und bin kaum aus dem Bett gekommen. Alles erschien ohne Sinn. Immer wenn ich begreife, dass du nie wiederkommst, ist es, als wenn sich vor mir ein großes, schwarzes Loch auftut. Wie durch einen Sog fühle ich mich da hineingezogen und kraftlos bin ich in Versuchung nachzugeben. Einfach nicht mehr aufstehen, einfach alles aufgeben. Wofür noch kämpfen? Aber eine andere Stimme in mir sagt, dass es so nicht richtig wäre und dass auch du es so nicht gewollt hättest. Manchmal fühlt es sich sogar so an, als wenn du es bist, der hinter mir steht und mich aufrichtet. Ja, manchmal spüre ich so etwas wie eine Präsenz von dir und dann ist es wie ein Aufleuchten in all der Verzweiflung. Dann entwickele ich doch die Kraft, mich nicht der Verzweiflung hinzugeben. Es ist, wie an einer Wegkreuzung zu stehen und sich für die richtige Richtung zu entscheiden, ohne zu wissen, wohin der Weg führt. Ich weiß, dass der andere Weg in den Abgrund führen würde und ich die Wahl habe, diesem zu entgehen. Weiterlesen

Sehnsucht

Sehnsucht Birgit Winter pixelio.deWie sehr ich auch versuche, die Realität deines Todes zu akzeptieren, die Sehnsucht nach dir wird nicht geringer. Ich fühle mich nur noch halb, seit du nicht mehr an meiner Seite bist. Nicht du, sondern nur noch die Gedanken an dich begleiten mich, und wo immer ich bin, versuche ich die Leere, die du hinterlassen hast, vergeblich zu füllen. Ich sehne mich nach dir am Morgen, wenn ich die Augen öffne, und ich sehne mich nach dir am Abend, wenn ich einschlafen will und deine vertraute Nähe mir so fehlt. Ich sehne mich nach dir in den vielen Stunden, die ich nun allein verbringen muss, und ich sehne mich nach dir, wenn ich unter Menschen bin, weil du mir überall fehlst. Ich sehne mich nach dir, wenn das Telefon klingelt, weil ich weiß, dass du mich nicht mehr anrufen wirst, und ich sehne mich nach dir bei allem, was geschieht. Die Sehnsucht lauert tief in mir wie ein wildes Tier. Sie treibt mich um und ich versuche, sie mit Ablenkung zu füttern. Doch es gelingt mir nicht, sie ist immer hungrig, will mehr und schreit nach dir. Wie soll ich sie nur bändigen? Weiterlesen