Besonders schwere Tage

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Die letzten Tage waren besonders schlimm. In meiner Verzweiflung habe ich nur geweint und bin kaum aus dem Bett gekommen. Alles erschien ohne Sinn. Immer wenn ich begreife, dass du nie wiederkommst, ist es, als wenn sich vor mir ein großes, schwarzes Loch auftut. Wie durch einen Sog fühle ich mich da hineingezogen und kraftlos bin ich in Versuchung nachzugeben. Einfach nicht mehr aufstehen, einfach alles aufgeben. Wofür noch kämpfen? Aber eine andere Stimme in mir sagt, dass es so nicht richtig wäre und dass auch du es so nicht gewollt hättest. Manchmal fühlt es sich sogar so an, als wenn du es bist, der hinter mir steht und mich aufrichtet. Ja, manchmal spüre ich so etwas wie eine Präsenz von dir und dann ist es wie ein Aufleuchten in all der Verzweiflung. Dann entwickele ich doch die Kraft, mich nicht der Verzweiflung hinzugeben. Es ist, wie an einer Wegkreuzung zu stehen und sich für die richtige Richtung zu entscheiden, ohne zu wissen, wohin der Weg führt. Ich weiß, dass der andere Weg in den Abgrund führen würde und ich die Wahl habe, diesem zu entgehen.

Nicht nur in der akuten Phase der Trauer gibt es sehr schwer zu ertragende Tage, sie können auch noch lange nach dem Tod Ihres geliebten Menschen immer wieder auftauchen. Tage, an denen der Verlust so schmerzlich ist, dass Sie das Gefühl haben, es kaum auszuhalten. Die Verzweiflung kann so intensiv sein, dass Sie diese sogar körperlich spüren können. Ohnmacht, Hilflosigkeit, Verlustschmerz, Wut …, all diese Emotion scheinen übermächtig, und es ist schwer, dabei nicht die Orientierung zu verlieren.

Aber es gibt eine Kraft in Ihnen, welche Ihnen die Richtung weist. Vielleicht nehmen Sie diese nur sehr schwach wahr und es scheint nicht verlockend, ihr zu folgen, doch hören Sie auf Ihre innere Stimme, wie leise sie auch sein mag. Wenn Sie sich dafür entscheiden, sich von dieser inneren Stimme führen zu lassen, wird es weitergehen. Sie werden vielleicht nicht wissen, was Sie am Ende des Weges erwartet, aber Sie entfernen sich Schritt für Schritt vom Abgrund. Immer wenn Sie vor dem dunklen Abgrund stehen, gibt es Momente, in denen Sie die Wahl treffen müssen. Dann ist es an Ihnen zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Sie können sich fallen lassen in die Tiefe der Verzweiflung oder einen Weg wählen, der Sie am Abgrund vorbei führt.

Sie können nach Stunden voller Tränen einen Freund anrufen oder versuchen, sich selbst aufzurichten, indem Sie wieder aktiv werden. Es können die Alltagsdinge sein, mit denen Sie sich ablenken, oder verwöhnen Sie Ihre Seele, weil auch das Sie tröstet und stärkt. Entscheiden Sie sich für den nächsten Schritt in die Zukunft. Auch wenn er Ihnen noch so klein und unbedeutend erscheint, er wird sie voranbringen.